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23.02.2018

Tradition in der Bundeswehr: Ein Kompass in Bewegung

(Quelle: Bundeswehr, photothek, Gottschalk).

von Markus Grübel MdB, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung

Seit Beginn der Überarbeitung des „Traditionserlasses“ im letzten Jahr führen wir einen kritischen Diskurs zum Thema „Tradition in der Bundeswehr“. Die Kontroverse bewegt nicht nur die Bundeswehrangehörigen, sie bewegt auch die Öffentlichkeit. Dies zeigt einmal mehr, welch hohe Relevanz die Bundeswehr in der deutschen Gesellschaft hat. Das ist gut so; denn die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee. Sie „gehört“ in einer repräsentativen Demokratie dem Souverän: dem deutschen Volk.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass sich die öffentliche Debatte vom Kern des Themas entfernt. Bei allen Überlegungen, was traditionsstiftend sein könnte oder was auf keinen Fall traditionsstiftend sein darf, hat sich der Diskurs zum Teil auf Ebenen bewegt, die sich nicht mehr mit den Bedürfnissen der Betroffenen – nämlich den Bundeswehrangehörigen – decken.

Funktionen der Tradition

Die Tradition der Bundeswehr ist kein exklusives Thema für Akademiker und Politiker. Im Gegenteil, sie hat direkte Auswirkungen auf die Bundeswehrangehörigen. Die Tradition erfüllt dabei zwei wesentliche Funktionen: Sie stiftet zum einen Identität. Zum anderen dient sie als Kompass und Handlungsleitlinie. „Wer bin ich als Angehöriger der Bundeswehr?“ und „Wie soll ich mich verhalten?“ sind zwei existenzielle Fragen, bei denen Tradition zur Beantwortung hilft.

Der derzeit diskutierte Entwurf des zukünftigen Traditionserlasses dient als Leitlinie zur Wahl von Vorbildern und skizziert das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Er eröffnet also einen Raum an Orientierungsmöglichkeiten. Er beinhaltet jedoch keine abgeschlossene Liste – also nicht den Traditionsbestand. Tradition kann nicht „erlassen“ werden. Sie ist etwas Lebendiges, nichts Statisches, sondern immer im Fluss. Tradition verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart und weist auch in die Zukunft. Daher ist es wichtig, dass die Bundeswehrangehörigen die Richtlinien für das Traditionsverständnis in der Bundeswehr annehmen. Nur so entsteht eine lebendige Tradition, die sich entlang zentraler Leitideen weiterentwickeln kann.

Zum Berufsbild der Bundeswehrangehörigen im Allgemeinen und dem der Soldatinnen und Soldaten im Besonderen gehört, dass sie ihren Auftrag auch unter Lebensgefahr und in Situationen erfüllen müssen, für die es unter Umständen keine Vorschriften gibt. Sie müssen handeln, wenn Zeitdruck und widrige Umstände herrschen. In solchen Situationen bekommt die Antwort auf die Frage „Wie soll ich mich verhalten?“ rasch eine moralische Komponente. Der Bundeswehrangehörige muss eine Gewissensentscheidung treffen. Das unterscheidet die Bundeswehr wesentlich von Armeen in Diktaturen, die absoluten Gehorsam fordern.

Als Handlungsleitlinien in Extremsituationen helfen Verhaltenskodizes, wie sie häufig gefordert werden, nur bedingt. Die moralische Frage „Was soll ich tun?“, die sich gut im Studierzimmer erörtern lässt, wird im Sekundenbruchteil zur Frage „Was tue ich – jetzt?!“ Hier hilft Tradition, die Beispiel gibt und Vorbilder bietet.

Eigene Tradition

Die eigene, stolze Bundeswehrtradition ist reich an solchen Vorbildern. Stellvertretend für diejenigen, die mutig und tapfer in Grenzsituationen gehandelt haben, könnte man Feldwebel Boldt, den Namenspatron der Unteroffizierschule des Heeres, nennen, der im Jahr 1961 während einer Sprengausbildung sein Leben für das zweier Untergebener gab. Diese Tat sagt viel über das Selbstverständnis von Vorgesetzen in der Bundeswehr aus und verdeutlicht, was Verantwortung in letzter Konsequenz bedeuten kann.

Viele weitere Bundeswehrangehörige haben, insbesondere auch in den Einsätzen, unter widrigen Umständen und teils unter Lebensgefahr, tapfer ihren Auftrag erfüllt. Die gelebte Innere Führung als bewährte Führungsphilosophie der Bundeswehr ist dabei fester Bestandteil der Tradition der Bundeswehr. Die Aufgabe aller Bundeswehrangehörigen ist es, diese Tradition zu leben – eine Tradition, die den Anforderungen einer fest in der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und der deutschen Gesellschaft verankerten Armee entspricht.

Der Artikel ist im folgenden Heft erschienen (Link zum pdf):

Quelle: Grübel, Markus (2018): Ein Kompass in Bewegung, in: KOMPASS. Soldat in Welt und Kirche, Der Katholische Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr (Hg.), Ausgabe 02/2018: 8f.

 
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